Im festlichen Rahmen der Staatsbibliothek zu Berlin wurde am 11. Dezember 2025 die Karl-Preusker-Medaille 2025 verliehen. Ausgezeichnet wurde der Ukrainische Bibliotheksverband (Ukrainian Library Association, ULA). Eine besondere Würdigung erhielt zudem die internationale Initiative Saving Ukrainian Cultural Heritage Online (SUCHO). Mit der Preisvergabe würdigte Bibliothek & Information Deutschland (BID) das außergewöhnliche Engagement beider Organisationen für den Erhalt und die Stärkung von Bibliotheken sowie des kulturellen Erbes der Ukraine unter den Bedingungen des andauernden Krieges.
Begrüßt wurden die Gäste von Prof. Dr. Achim Bonte, Direktor der Staatsbibliothek zu Berlin, sowie von Karen Schmohl, Präsidentin von Bibliothek & Information Deutschland (BID). Die Veranstaltung wurde musikalisch begleitet von Khrystyna Petrynka, die auf der Bandura, dem traditionellen ukrainischen Saiteninstrument, eindrucksvolle Akzente setzte.

Die Laudatio hielt Olaf Hamann, Leiter der Osteuropa-Abteilung der Staatsbibliothek zu Berlin. Er erinnerte zunächst an den Namensgeber der Auszeichnung, Karl Benjamin Preusker, der bereits 1828 mit der Gründung der ersten öffentlichen Bibliothek in Deutschland das Ziel verfolgte, „Wissen breiteren Bevölkerungsschichten zugänglich zu machen und den allgemeinen Bildungsstand zu heben“. Genau diese Ziele, so Hamann, verbänden Preusker mit den Preisträgern des Jahres 2025:
„Und es sind genau diese Ziele, die sich die Medaillenträger 2025 – der Ukrainische Bibliotheksverband und das Projekt Saving Ukrainian Cultural Heritage Online – in den vergangenen Jahren gesetzt haben.“
Hamann zeichnete in seiner Rede die Entwicklung des Ukrainischen Bibliotheksverbands nach, der 1995 gegründet wurde und heute rund 50.000 Bibliotheksbeschäftigte sowie etwa 40.000 Bibliotheken vertritt. Bereits seit der russischen Annexion der Krim und dem Beginn des Krieges im Osten der Ukraine im Jahr 2014 seien Bibliotheken gezwungen gewesen, ihre Arbeit grundlegend neu auszurichten. Internationale Projekte hätten dazu beigetragen, Bibliotheken als Orte demokratischen Austauschs, gesellschaftlicher Teilhabe und zivilgesellschaftlicher Resilienz zu stärken.

Mit dem Beginn des russischen Großangriffs am 24. Februar 2022 habe sich diese Rolle nochmals dramatisch verändert. Bibliotheken seien zu Schutzräumen, Treffpunkten für Binnenvertriebene und zu zentralen Anlaufstellen für Information, Kommunikation und gegenseitige Unterstützung geworden. Hamann betonte:
„Bibliotheken mit Schutzräumen wurden zu wichtigen Orten für die Bevölkerung. Menschen kamen, um miteinander über ihre neuen Erfahrungen und Ängste zu sprechen, um Wege zu finden, den aktuellen Bedürfnissen zu begegnen.“
Besonders eindrücklich war der Moment des Gedenkens an Bibliothekarinnen und Bibliothekare, die infolge des Krieges ihr Leben verloren haben. Hamann erinnerte an die Verantwortung des Bibliothekswesens, auch diese Opfer sichtbar zu machen, und bat die Anwesenden um eine Schweigeminute.
Ein weiterer Schwerpunkt der Laudatio galt der Initiative SUCHO, die unmittelbar nach Beginn des russischen Angriffs gegründet wurde. Ziel des internationalen Freiwilligennetzwerks ist es, digitale Inhalte ukrainischer Bibliotheken, Archive und Museen vor Zerstörung und Verlust zu bewahren. Hamann bezeichnete die Idee, digitale Kulturgüter systematisch auf sicheren Servern zu archivieren, als „ebenso einfach wie brillant“. Innerhalb kürzester Zeit hätten über 1.500 Freiwillige mehr als 5.000 Websites mit rund 59 Terabyte Daten gesichert.
„Das Ziel war nie, diese Inhalte im Westen öffentlich zugänglich zu machen, sondern sie eines Tages an die ukrainischen Kultureinrichtungen zurückzugeben.“
Neben der digitalen Sicherung unterstützt SUCHO ukrainische Einrichtungen auch ganz praktisch: etwa durch die Bereitstellung von Servern oder Scannern. Darüber hinaus dokumentiert das Projekt persönliche Erfahrungsberichte von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren und macht sichtbar, wie Bibliotheken ihre Angebote trotz Krieg nicht nur aufrechterhalten, sondern vielfach sogar ausgebaut haben.
Die Präsidentin des Ukrainischen Bibliotheksverbands, Oksana Brui, konnte an der Veranstaltung nicht persönlich teilnehmen, richtete jedoch eine Videobotschaft an die Anwesenden, in der sie für die internationale Solidarität und Unterstützung dankte. Die Karl-Preusker-Medaille für den Ukrainischen Bibliotheksverband wurde stellvertretend von der stellvertretenden Botschafterin der Ukraine entgegengenommen. Für SUCHO nahmen Anna E. Kijas und Sebastian Majstorovic die Auszeichnung persönlich entgegen.

Abschließend würdigte Olaf Hamann die Entscheidung von BID, beide Organisationen mit der Karl-Preusker-Medaille 2025 auszuzeichnen:
„Beide Medaillenträger haben über einen langen Zeitraum und unter äußerst schwierigen Bedingungen Außergewöhnliches geleistet, um Wissen zugänglich zu machen und den Bildungsauftrag von Bibliotheken zu verteidigen.“
Die Verleihung der Karl-Preusker-Medaille 2025 setzt damit ein deutliches Zeichen der Solidarität und unterstreicht die zentrale Rolle von Bibliotheken als Orte des Wissens, der Demokratie und des kulturellen Gedächtnisses, gerade in Zeiten existenzieller Bedrohung.
Im Anschluss an die Preisverleihung waren die Gäste zu einem Empfang eingeladen, der Raum für persönliche Gespräche, Austausch und Begegnungen bot.


